Wie bestehe ich ein offizielles Deutsch-Examen?

Warum überhaupt ein offizielles Sprachexamen?

Fast jeder, der eine Fremdsprache lernen möchte, kennt das Dilemma: Man hat Jahre an Energie, Zeit und Geld investiert, und irgendwann ist der Moment gekommen. Der Moment, in dem all die Anstrengungen irgendeinen objektiven bzw. objektiv messbaren Erfolg bringen sollen. Also der Moment für ein offizielles Sprachexamen. Und hier kommt man in aller Regel nicht an den Examen des Goethe-Instituts vorbei.

Natürlich kann man lange über den Sinn solcher Prüfungen streiten. Ob man das Papier wirklich für das Leben braucht, hängt ganz von den persönlichen Umständen ab. Viele Schüler, vor allem die jüngeren, benötigen es aber für den Lebenslauf und ihre weitere berufliche Karriere. Ein Master an einer deutschsprachigen Universität, ein Job in einer deutschsprachigen Firma. Das sind nur zwei Beispiele, in denen der offizielle Titel von Vorteil sein kann - auch wenn offizielle Sprachexamen nicht immer gleichbedeutend mit dem tatsächlichen Sprachniveau sind. Es gibt viele Fälle, in denen eine Person nahezu fliessend Deutsch sprechen kann, aber nicht über den Titel des Goethe-Instituts oder einer anderen offiziellen Institution verfügt. Oder der umgekehrte, und sehr viel häufigere Fall: Eine Person, die das B2-Examen bestanden hat, die aber unfähig ist, eine halbwegs kohärente Unterhaltung auf Deutsch zu führen.

 

Auf eigene Faust oder mit einem Lehrer?

Sprachexamen haben also ihre eigenen Regeln und folgen nicht selten ihrer eigenen Dynamik. Und das bedeutet für viele Schüler, dass sie Strategien entwicklen müssen, um diese Art von Prüfung zu bestehen.

Zunächst ein Wort vorweg: Die wirklich relevanten Examen beginnen erst ab einem Niveau von B1. Zwar bieten viele Institutionen (in Spanien neben dem Goethe-Institut z.B. auch die Escuela Oficial de Idiomas) Examen mit niedrigeren Niveaus. Aber ein bestandenes A1 oder A2 sagt eigentlich nichts anderes als: "Hallo, mein Name ist XY und ich habe ein bisschen Deutsch gelernt." 

Natürlich lohnt es sich, Vorbereitungskurse am Goethe-Institut zu besuchen. Aber nicht für jeden ist das praktisch oder praktikabel. In diesen Fällen empfiehlt es sich, das Examen mit Hilfe eines Privatlehrers vorzubereiten. Im Internet zirkulieren zahlreiche Examensmodelle für die verschiedenen Prüfungen. Auch das Goethe-Institut bietet sie auf seiner Webseite an. Das darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass man die Unterstützung eines Profis braucht, um zu wissen, warum man etwas falsch gemacht hat.

Die offizielen Sprachexamen des Goethe-Instituts haben vier Teile: Lesen, Hören, Sprechen und Schreiben. Vor allem bei den Modulen Sprechen und Schreiben ist das Feedback eines muttersprachlichen Lehrers wichtig. Bei den Teilen Lesen und Hören könnnen die eigenen Lösungen problemlos mit dem Lösungsschlüssel im hinteren Teil verglichen werden. Trotzdem ist auch hier die Rückmeldung eines Lehrers hilfreich, denn oft weiss der Schüler nicht genau, warum er ein Detail eines Lesetextes falsch verstanden hat.

 

Was ist wichtig, um das Examen zu bestehen?

Vor allem ab dem Niveau B2 ist es meiner Meinung nach absolut notwendig, viel zu lesen bzw. gelesen zu haben. Und zwar verschiedene Arten von Texten: Blogs, Zeitungsartikel, einfache Romane und Kurzgeschichten, aber auch bürokratische Texte wie z.B. Anmeldungen und andere Formulare. Im Examen wird der Kandidat nämlich mit verschiedenen Textsorten konfrontiert, die er nur mit der entsprechenden Lesepraxis verstehen kann. Und viel lesen hat noch andere Vorteile: Es hilft am Ende auch bei der Textredaktion in der schriftlichen Prüfung, denn häufige Lektüre und der Erwerb von passivem Vokabular sind die erste Stufe für die aktive Anwendung in einem Text. 

Beim Examensteil Hören ist es vor allem wichtig, während der Prüfung nicht die Nerven zu verlieren. Der Zeitdruck spielt dabei eine grosse Rolle, denn die Kandidaten wissen natürlich genau, dass sie einen bestimmten Text sofort verstehen müssen. In vielen Fällen sind die Schüler nach der Prüfung sehr verunsichert, aber das ist normal, denn man hat keine Zeit, lange über das Gehörte nachzudenken. Hier bietet die Deutsche Welle mit den Modulen "Top-Thema" und "Video-Thema" ein exzellentes Angebot an Audios und Videos, das ständig erneuert wird. Ideal für alle Kandidaten, die nicht täglich Deutsch sprechen oder nicht in einem deutschsprachigen Land leben.

Bleibt also noch der Teil Sprechen. Und hier ist es wirklich wichtig, mit einem Lehrer oder in einem kleinen Kurs zu üben. Bei der Vorbereitung auf das Examen gilt übrigens: weniger ist mehr. Man sollte also immer die gleichen Formulierungen üben, auch wenn dies für viele extrem langweilig und monoton ist. Besonders positiv wird während der Prüfung bewertet, wenn der Kandidat eine kurze Präsentation gut strukturiert - also mit einer kurzen Einleitung, einem Hauptteil und einem Schluss. In aller Regel erhält man aber bereits in den Examensblättern Instruktionen zur Struktur der Kurz-Präsentation. Der zweite Teil einer mündlichen Prüfung ist dann das Gespräch mit den Prüfern des Goethe-Instituts oder mit einem anderen Kandidaten. Und hier ist wichtig: auf die Aussagen des anderen Teilnehmers eingehen, nicht unterbrechen und vor allem: sprechen. Also keine defensive Strategie in Form von Ja-Nein-Antworten. Das produziert zwar wenige Fehler, macht aber einen katastrophalen Eindruck während der Prüfung. Denn sprechen heisst nun einmal sprechen.

 

Ich hoffe, diese ersten allgemeinen Tipps haben dem ein oder anderen bei der Prüfungsvorbereitung ein bisschen weitergeholfen.

 

Viel Glück!