Deutschland, das Traumziel?

Vor ein paar Tagen erschien in der spanischen Online-Zeitung "El Confidencial" ein Artikel über die (falsche) Utopie von Deutschland als Jobparadies. Der Artikel erwähnt zunächst das falsche Deutschlandbild, das in zahlreichen spanischen TV-Serien gezeichnet werde. Das Image sei das eines Landes mit einer boomenden Ökonomie, die Wohlstand und Karriere für jeden verspreche, der bereit sei, die deutsche Sprache zu lernen und sich an die merkwürdigen Gewohnheiten der Deutschen anzupassen.

 

Dass dies natürlich meilenweit von der Realität entfernt ist, sollte jedem halbwegs realistischen Menschen klar sein. Dennoch treiben das mediale Bombardement und die fehlenden Perspektiven im eigenen Land nach wie vor viele Spanier (und Südeuropäer) dazu, ihr Glück im Norden zu suchen. Auch wenn es viel weniger sind als angenommen (der Artikel spricht von einer Zunahme der offiziell in Deutschland registrierten Spanier von gerade mal 50.000 in fünf Jahren) gibt es dennoch immer noch viel zu viele junge Leute, die unüberlegte Verzweiflungstaten begehen. Lobenswert ist es daher, dass in Spanien nach und nach ein realistischeres Bild von Deutschland, seiner Wirtschaft und seiner Gesellschaft gezeichnet wird. Den sehr guten Perspektiven für Ärzte, Ingenieure und Informatiker steht nämlich eine problematische Situation in vielen anderen Sektoren gegenüber.  8 Millionen von insgesamt 40 Millionen Stellen sind prekäre Minijobs, ohne berufliche Perspektive und fast ohne soziale Absicherung. Und selbst ohne Minijobs ist es auch für viele "normal und regulär" arbeitende Deutsche nicht einfach, über die Runden zu kommen. 

 

Bleibt zu hoffen, dass dieser und andere Artikel vor allem junge Leute von einem unüberlegten Schritt abhalten. Jeder sollte sich vor dem Wegzug aus seinem Heimatland genau nach seinen Qualifikationen fragen. Man sollte sich gut informieren, ob es mit diesen Qualifikationen auf dem deutschen Arbeitsmarkt eine reelle Perspektive gibt. Am besten wäre selbstverständlich, den Schritt zur Emigration nicht zu wagen. ohne ein konkretes Jobangebot in der Tasche zu haben. Europäischer Binnenmarkt heißt noch lange nicht, dass die nationalen Arbeitsmärkte jedem Europäer offen stehen.

 

Und natürlich geht es von Anfang an um ein zentrales Thema, das viele Auswanderer vergessen: das Sprachniveau. Kein Job ohne mindestens gute Deutschkenntnisse. Das bedeutet im Klartext ein offizielles Sprachniveau B2. Am besten von einer offiziellen Institution (z.B. dem Goethe-Institut) zertifiziert. B2 bedeutet, dass der Schüler die Grammatik beherrscht, fließend Deutsch spricht, sich über alle Alltagsthemen ohne große Probleme unterhalten kann, dass er den überwiegenden Teil jedes Gesprächs auf Deutsch versteht und auch einfache Mails, Briefe etc. auf Deutsch schreiben kann. Nicht fehlerfrei, aber solide und alltagstauglich. Das sollte keiner von euch vergessen.

 

 

P.S.: Wer diesen Text ohne Probleme versteht, hat mit hoher Wahrscheinlichkeit ein ausreichendes Niveau, um sich in Deutschland zurechtzufinden.